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Kaffeeklatsch
am Weissen Hirsch

vom 4. Februar bis 7. März 2012

Digitale Collagen

von Paul Böckelmann

„E.R.N.A.’s Tassen“

Keramiken von Elke Böckelmann


Im Skulpturengarten Werke von
Paul Böckelmann, Marion Hempel, Uwe Hempel, Miguel Sanoja


Bilder von der Ausstellungseröffnung am 4. Februar 2012

Ausstellungseröffnung „Kaffeeklatsch am Weißen Hirsch“, 4. Februar 2012Ausstellungseröffnung „Kaffeeklatsch am Weißen Hirsch“, 4. Februar 2012

Ausstellungseröffnung „Kaffeeklatsch am Weißen Hirsch“, 4. Februar 2012Ausstellungseröffnung „Kaffeeklatsch am Weißen Hirsch“, 4. Februar 2012


Der Turm zu Babel

© Paul BöckelmannDie zeitgenössische Kunst erscheint mir oft wie der Turm zu Babel, in dem sich die unzähligen Stimmen des gesamten Erbes vergangener Epochen mit denen der vielen „ismen“, Stilrichtungen, Moden und Einflüssen vermischen. Darüber hinaus hat ein Künstler heutzutage eine Unzahl von Techniken und Materialien zur Verfügung und es ist nicht leicht ein eigenes Gleichgewicht inmitten so vieler Herausforderungen zu finden. In einem scheinbaren Widerspruch scheint der Wechsel das einzig Beständige zu sein.

Umso mehr beeindruckt es mich Künstlern wie Paul und Elke Böckelmann zu begegnen, die sich mit ruhiger Sicherheit im Labyrinth unserer Zeit bewegen, völlig unbeeindruckt von so vielen Pressionen. Das Streben nach Exzellenz ist die Norm. Das Oeuvre beider Künstler spricht von einer soliden Ausbildung, einem leidenschaftlichen Gestaltungswillen und großer künstlerischer Spontaneität. Ob in Malerei, Graphik, Skulptur, Keramik oder Fotographie – stets besitzt ihr Werk eine spielerische Frische, eine Art ausgereifter Mühelosigkeit, die vom Schaffenden mehr Disziplin und Hingabe verlangt, als eine Arbeit, der die Anstrengung anzumerken ist. Tradition und Moderne brechen nicht auseinander, Konzept und Material sind stets eine gelungene Einheit.

In dem bezaubernden Domizil in Altenau, das sich beide Künstler über Jahrzehnte hinweg geschaffen haben, atmet alles die besondere Wertschätzung und Achtung, die sie füreinander empfinden. Die Verzauberung scheint auch auf mich überzugreifen, denn der Prozess des Kennenlernens zwischen Galerist und Künstler, das langsame Erfassen der komplexen Persönlichkeit eines kreativ Schaffenden, schmilzt in ihrem Falle auf wenige Augenblicke zusammen. Es ist, als hätte das gegenseitige Vertrauen und Verstehen schon vor unserer Begegnung bestanden.

Die kritische und gleichzeitig sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen, die Paul in dieser Ausstellung zeigt, begleitet von Elkes (E.R.N.A.s) lustvoller Keramik, ist wie ein Moment der Klarsicht in dem flüchtigen Ablauf, der das Leben ist.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Lieselotte Rojas Sanoja,
Dresden, Januar 2012

Andere erinnern Anderes anders

© Paul Böckelmann2008 macht ein Buch Furore, welches den Schriftsteller und Arzt ein Jahr später sogar noch auf den weihenden Thron des Deutschen Nationalpreises wirft: „Der Turm“ von Uwe Tellkamp. Bei der Lektüre der, als Wenderoman der jüngeren Generation gepriesenen Erzählung, tauchen die Bilder der eigenen Erinnerung an die Zeit als Student in Dresden auf. Und provoziert von der irrigen Annahme mancher Leser, daß der Turm reales Dresden, reales DDR-Leben und Erleben widerspiegelt, das Buch demzufolge als Heimatroman einzuordnen wäre, fotografiere ich im März 2009 den Weißen Hirsch in Dresden und baue die Architektur mit Hilfe der digitalen Collage in eine spekulative Kulisse um. Und so wie der „Turm“ Erinnerungsarbeit leistet, die die Wahrheit von Biografien finden, Strukturen und wirkende Mächte sichtbar machen will, so sollen die Bilder der Villen Assoziationen wecken, die mehr erreichen, als nur wehmütiges „Ach ja-Geseufze“ hervorzurufen.

Auch ist die Werkgruppe eine Liebeserklärung an E.R.N.A., die dort auf dem Weißen Hirsch ihre Kindheit und Jugend verbrachte und bis 1984 in der Wolfshügelstraße Nummer Zwei ihr Atelier hatte.

Altenau im Dezember 2009

Notwendiger Nachsatz 2012. Der damalige Hype auftürmender Erinnerung ist heute versachlicht auch durch relativierende Erkenntnis, Andere erinnern Anderes anders. Und bei aller, jedoch nicht weltweit anerkannter exponierter Schönheit des Flusstales bleibt zu bezweifeln, dass die Wahrheit nur hier zwischen Berg und Tal wohnen kann. Rosarotes und schwarzgraues Reflektieren sind doch zwei Seiten derselben Sehnsucht nach bekömmlicher Wahrheit.

Paul Böckelmann

Vitae siehe www.paul-boeckelmann-erna.de

Zum Kaffeeklatsch am Weissen Hirsch

Da fallen mir die wunderbaren Konditoreien Pinneberg, Wachendorf, George und Winkler mit ihrem schmackhaften und verführerischen Gebäck ein. Es ist die Zeit meiner Kindheit und Jugend, in der ich zwischen Körnerplatz und Weißem Hirsch gelebt habe. Besonders aber denke ich an das alte Park Hotel mit seinem morbidem Charme, in dem man Kaffeehausmusik von einem ebenso schon betagten, scheinbar mit Patina belegtem Trio hören konnte, während in den hinteren Räumen schon die Jazzmusikszene Einzug gehalten hatte. E.R.N.A.s Tassen

Sehenswert waren die alten Damen des Weißen Hirschs, die sich zum Kaffeekränzchen trafen und mit eisernem Willen versuchten, in alten Zeiten zu schwelgen und, die Hand am vergoldeten Spazierstockknauf, daran festzuhalten, obwohl die Plüschsessel, in denen sie saßen, alles andere als noch appetitlich waren. Da gab es schnörkeliges Porzellan mit Blumen und Goldrand, schon etwas angebrochen und nicht mehr vollständig.

Es ist also auch eine Reminiszenz an jene Zeit, als ich jung und sehr glücklich war, die mich heute meine Sammeltassen entwerfen ließ. Sie sind Einzelgänger, Individualisten, haben ihre eigene Form und gleichen keiner ihrer Art. Sie sind nun auf der Suche nach zu ihnen passenden Kaffeetrinkern

Elke Böckelmann

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