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Doppelausstellung:

vom 16. Juni bis Ende Juli 2012


DIE SUCHE NACH WAHRHAFTIGKEIT

Fotografien von Sabine Schubert

und

FEUER-FEST

Raku-Keramik von Ines Hoferick


Demonstrationen der Raku-Technik im Skulpturengarten:
Sonntag, 17. Juni, 11 Uhr
Sonntag, 24. Juni, 11 Uhr


Im Skulpturengarten Werke von
Paul Böckelmann, Marion Hempel, Uwe Hempel,
Ines Hoferick, Konstanze Feindt-Eißner, Miguel Sanoja


Die Suche nach Wahrhaftigkeit – Fotografien von Sabine Schubert

Varanasi, Indien, Juni 2011, 30,5 x 45cmDer Begriff „Wandern“, wie wir ihn heute verstehen, beinhaltet eine besinnliche Langsamkeit, die in einer Gesellschaft, in der alles auf Leistung und Tempo abzielt, beinahe therapeutische Bedeutung erlangt. Langsamkeit wohlgemerkt, nicht Passivität.

Wanderer sind gewöhnlich vom Widerspruchsgeist gegen das konventionelle Leben zuhause beflügelt. Sie tragen die Züge des reinen Idealisten, des Denkers und revolutionären Welterneuerers in sich – oft auch eine gewisse Ruhelosigkeit auf der Suche nach einer göttlichen Ordnung. Wandern heißt im Grunde nichts anderes, als sich aufzumachen, um eine andere Gegend, ein anderes Land zu erkunden, ohne spezielle Absichten und Ziele, frei von dem Wunsch nach Leistungsbeweisen und Grenzerlebnissen, aber mit der Bereitschaft den hier lebenden Menschen und ihrer Geschichte zu begegnen.Es war das Bild eines Wanderers, das ich als Erstes vor Augen hatte, als ich Sabine Schubert kennen lernte, eine vor Intensität sprühende, junge Frau. Sie war gerade von einer mehrere Monate dauernden Reise durch Malaysia, Singapur, Indonesien und Indien zurückgekehrt.

Ich fühlte mich bis ins Innerste berührt von ihren sensiblen Fotografien. Sie schafft Bilder, die weder optimistisch überhöht sind, noch Armut und Verkommenheit – die es überall gibt – zum zentralen Thema machen. Sie mag Menschen und die Menschen mögen sie. Sie gewinnt das Vertrauen von Vertretern der unterschiedlichsten sozialen Schichten und Altersklassen, sie stößt auf Offenheit und Hilfsbereitschaft. Gesellschaftspolitische Konflikte werden nicht vermieden, aber auch nicht gesucht. Man wird sich der kulturellen Unterschiede, Verhaltensformen und Verhaltensweisen Asiens bewusst und meint die immense Weite des Territoriums auch in den Gesichtern wiederzufinden. Es sind keine gestellten Bilder, es ist eine menschliche Geographie.

Sabine Schubert in Lombok, Indonesien, März 2011, 30,5 x 45cmSeit den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich die Fotografie immer stärker als eine eigenständige, künstlerische Ausdrucksmöglichkeit durchgesetzt. Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass dieser Zeitpunkt zusammenfällt mit dem Rückgang der Dominanz der Avantgarden wie Expressionismus, Kubismus, Dadaismus, Surrealismus etc. Fortan ist der Künstler aufgefordert Bildsprache und Inhalt selbst zu eruieren. Anstelle des kollektiven Stils ist in verstärktem Maße die individuelle Kreativität getreten. Intensität und Authentizität stehen im Vordergrund und die Fotografie wird diesem Anspruch besonders gut gerecht. Hinzu kommt, dass die heutige technologische Bandbreite, die für die Fotografie existiert, nie dagewesene Möglichkeiten der Reichweite, Fülle und Unabhängigkeit eröffnet. Die Qualität der fotografischen Kunstwerke der jüngeren Generationen ist in den letzten Jahrzehnten auf eindrucksvolle Weise gewachsen. Ich bin überzeugt, dass junge Künstler wie Sabine Schubert ein Kräftepotential für die Menschheit darstellen, das den gleichen Schutz erfahren sollte wie die ökologischen Ansprüche an unsere Umwelt. „El artista es aquel que ve cosas que los demás no ven“ – „Ein Künstler sieht Dinge, die andere nicht sehen“, sagt Ernesto Sábato in seinem Werk „Der Schriftsteller und seine Geister“.

Sabine Schubert fängt mit überraschender Sicherheit diese Dinge ein und macht sie für den Betrachter sichtbar. Sie selbst sagt: „Ich bin immer auf der Suche nach Wahrhaftigkeit und versuche ihre Schönheit einzufangen und festzuhalten. Ich möchte das wahre Leben mit seinen Gestalten und deren Geschichten in Szene setzen. Ich möchte dem Betrachter das Gefühl vermitteln, selbst an dem Ort des Geschehens anwesend zu sein… wie schade, dass ich keine Gerüche und Geräusche in meine Bilder einbauen kann… “.

Die Auswahl der Fotografien von Sabine Schubert, die wir in dieser Ausstellung präsentieren, sollten betrachtet werden mit den Augen von Herz und Hirn. Dann ist es gut möglich, dass es gelingt die Aussage ihrer Bilder mit allen Sinnen wahrzunehmen, wie Sabine es sich wünscht ….

Vita von Sabine Schubert

  • geboren 1978 in Dresden
  • 1995 Realschulabschluss, musisch-künstlerisches Profil
  • 1998 bis 2002 Aufenthalt in Griechenland, Kreta und Rhodos
  • 2003 bis 2010 Flugbegleiterin
  • 2004 Aufenthalt in Vicenza, Italien
  • 2010 Teamleiterin bei diversen nationalen und internationalen Theaterprojekten mit Kindern und Jugendlichen
  • 2011 mehrmonatige Südostasienreise
  • seit frühester Jugend intensive Beschäftigung mit Fotografie



Feuer-Fest – Raku-Keramik von Ines Hoferick

Ines HoferickDie Japaner nennen sie Freude an der Muse, diese spezielle Keramik-Technik, die das Handwerk zur Kunst erhebt. Für die Töpferin Ines Hoferick schließt sie das Wunder der Wandlung mit ein, das immer neu entsteht, wenn sie die Elemente aufeinandertreffen läßt: das starke männliche Element Feuer auf die gestaltbare Erde, das Element des Weiblichen, und die in Glut sich vereinen zu dauerhafter Form.

Ha! Wonnige Glut!
Leuchtender Glanz!
Strahlend nun offen
Steht mir die Straße –
Im Feuer zu finden die Braut! –
Hoho! Hahei!

– wagnersche Begeisterung brandet auf, wenn sich die Keramikerin ihr Feuer-Fest bereitet: Männliches Feuer in Frauenhand schafft so wunderbare Wandlung, daß den skurrilen Schönheiten die Lebensfreude förmlich aus dem Mieder perlt. Es ist eine Lebensfreude, die sie in sich trägt, auf mannigfache Weise Figur werden läßt und sich ja doch stets am tiefsten im Spannungsfeld zwischen Mann und Frau offenbart: Freude an der Muse, mit Augen und Händen zu greifen

Ines Hoferick – Demonstrationen der Raku-TechnikFreilich läßt der Ofen wenig Raum für romantische Schwärmerei. Die vorbereitete Ware wird in ganz kurzer Zeit auf 1000 Grad erhitzt und dann plötzlich dem Tag ausgesetzt. Im Kälteschock reißt die Glasur oberflächig auf, die Risse werden durch Sauerstoffentzug in der Reduktionsgrube schwarz gefärbt. Das feine, in Form und Wirkung nicht kalkulierbare Krakelee entsteht. Der gesamte Vorgang erfordert Konzentration und Spontaneität, dazu Schnelligkeit, gepaart mit Kraft und Übersicht.

Auf diese Weise wird Raku zu einem harten Geschäft, das unvermutet feine und zarte Ergebnisse zeitigt. Für Ines Hoferick verbindet es sich mit dem bleibenden Erlebnis der Teilhabe an den Wundern der Welt, die sie täglich neu mit Staunen zu erfüllen vermögen, und an dem sie Betrachter und Käufer gern teilhaben läßt. Mit Ines Hoferick wird die Freude an der Muse zum unvergesslichen Feuer-Fest.

Thomas Gerlach

Webseite www.keramikstudio-hoferick.de



Wir freuen uns auf Ihren Besuch!.

Lieselotte Rojas Sanoja,
Dresden, April 2012
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