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VON WESEN UND WÄCHTERN

vom 17. November bis 23. Dezember 2012


Skulpturen von Konstanze Feindt Eißner


Im Skulpturengarten Werke von
Paul Böckelmann, Marion Hempel, Uwe Hempel, E.R.N.A.,
Ines Hoferick, Konstanze Feindt Eißner, Miguel Sanoja


VON WESEN UND WÄCHTERN

Konstanze Feindt EißnerEs ist ungewöhnlich, dass eine Frau „bildhauert“ , den Stein mit Werkzeugen bearbeitet, wie sie in ähnlicher Form schon im Mittelalter verwendet wurden. Konstanze Feindt Eißner verwendet vorzugsweise Marmor aus Südtirol und Carrara in Italien. Schon der Katalog ihrer Arbeiten vermittelt mir, dass sie den Widerstand des Materials und seine Eigenheiten liebt und den ganzheitlichen Prozess „vom Kopf durch die Hände in die Welt“ perfekt beherrscht. Ihr Bestreben innere Vorgänge des Menschen mittels der äußeren Form zu spiegeln, gleichsam Unsichtbares sichtbar zu machen, wird deutlich. Material und Idee werden in Einklang gebracht. Die Bilder ihrer in sich ruhenden Steinwesen mit den schimmernden, glatten Oberflächen erinnern mich an das bekannte Zitat von Max Ernst: „… die Skulptur entsteht in einer Umarmung, zweihändig, wie die Liebe. Sie ist die ursprünglichste Kunst.“

Schützen III, 86 x 62 cm, 2011 Ölpastell, BienenwachsAuch die Abbildungen der Zeichnungen im Katalog überzeugen mich sofort. Oft ist ja die Zeichnung eines Bildhauers nur Vorarbeit für die Skulptur. Für Konstanze ist sie ein wichtiger Ausgleich zu der schweren, auf das Material konzentrierten Arbeit an der Skulptur und absolut gleichberechtigt. Eine ihrer wichtigsten Inspirationsquellen ist der Tanz, dargestellt in raumgreifenden Figuren bis hin zu komplexen Bewegungsabläufen. In letzter Zeit erscheint häufiger die Figur eines Clowns, zugleich verbergende Maske und schützende Selbstermunterung. Alle Zeichnungen haben etwas Fliegendes; die Skulpturen scheinen gerade am Ende einer Bewegung angekommen zu sein.

Es ist ein großzügiges Atelier, das ich voller Erwartung an einem Wintertag betrete. Ich hatte keine Ahnung, dass mich ein Erlebnis besonderer Art erwartet. Mein erster Blick fällt auf eine Gruppe von Voodoo-Figuren, eine überraschende Begegnung, die mich bis ins Innerste berührt. Mehr als 20 Jahre hatte ich in Venezuela in der unmittelbaren Nachbarschaft meiner Galerie ein großes Zentrum der Umbanda, einer besonders in Brasilien verbreiteten Form der Geschwister III, ungarischer Marmor, 60 x 46 x 37 cm, 2009Voodoo-Religion, der 40 Millionen Menschen angehören. Ich kenne ihre Spiritualität, ihre Magie, die vollkommen zu Unrecht in der westlichen Welt dämonisiert wird. Unwillkürlich begrüße ich die Gruppe auf Spanisch: „Hola, que están haciendo Uds. aquí?“ („Was macht ihr denn hier?“) Die Luft scheint erfüllt von einem fröhlichen Gezwitscher als Antwort. Konstanze stellt sie mir als ihre „Wächter“ vor und erzählt, dass der Erste entstanden sei nach dem Besuch einer umfassenden Ausstellung in Berlin über den Kult des Voodoo in Haiti, wo er eine offiziell anerkannte Religion ist. Die Weiteren hätten sich dann verselbstständigt, durch die Lust am Augenzwinkern – wie sie es ausdrückt – und den Reiz des Unfassbaren.

Voodoo ist eine hybride Religion aus vielfältigen afrikanischen, katholischen, islamischen, sogar indianischen Elementen, die sich als Folge der Herkunft und Geschichte der Sklaven in Westindien ergab. Sie kennt nur einen Gott, der Bondieu genannt wird. Er ist so gewaltig, dass man sich nicht direkt an ihn wenden kann, sondern dafür WächterVermittler braucht, die Loas, die im Wesentlichen heilende und helfende Funktionen haben. Da es den Sklaven in Westindien streng verboten war, irgendeine Darstellung eines Gottes zu haben, gaben sie ihren Idolen einen Puppencharakter als Tarnung.

Trotz des Ursprungs der Idee ist klar, dass diese Arbeiten von Konstanze Feindt Eissner weder Loas noch Idole sind; sie haben eine neue Identität: Es sind tatsächlich Wächter. Es wird nicht einfach sein, jenen auszusuchen, der während unserer Ausstellung der Diensthabende sein wird.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Lieselotte Rojas Sanoja

Vita unter www.kfe-art.de

Fotos: Frank Höhler

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