Zeichnungen
13. Juni bis 17. Juli 2020
Im Skulpturengarten Werke von
Paul Böckelmann, E.R.N.A., Konstanze Feindt Eißner,
Marion Hempel, Uwe Hempel, Bernhard Männel, Thomas Reichstein,
Reinhard Pontius, Miguel Sanoja, Wieland Richter, Doreen Wolf
Die Beziehung zwischen Bild und Sprache – dem Bild und dem Wort – ist in unserer visuell geprägten Welt ungeheuer vielschichtig und facettenreich. Nur der Mensch besitzt die einzigartige Fähigkeit, Bilder aus Worten zu schaffen. Sprachliche Bilder ermöglichen es Vorstellungen, Gedanken und Gefühle möglichst genau und anschaulich zu beschreiben. Der griechische Philosoph Platon spricht von einem inneren Schreiben, von der Bildlichkeit und Sprachlichkeit des Denkens. Und sein Lehrer Aristoteles, der zwar den Mensch als Tier bezeichnet, als zoon logo echon, gesteht ihm aber neben Vernunft doch eine Sprachbegabung zu. Das Benennen der Dinge bedeutet die Welt in Besitz nehmen; was man mit Namen nennen kann, hat man als Idee in sich. Die Sprache aber ermöglicht Aneignung von Wissen, Erkenntnis, sogar Einsicht. Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten gibt es in dem Gebrauch von Bildern und dem von Sprachen als Mittel der Kommunikation? Sind Sprichwörter wie „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ gerechtfertigt?
Dante am Abgrund, 80 x 60 cm, Natur Kohle, Pastellkreide auf Bütten |
Gabriel García Márquez, 70 x 100 cm, Antiktusche, Aquarell auf Papier |
Solche Überlegungen beschäftigen mich auf dem Weg zum Atelier von Juan Miguel Restrepo. Er will mir eine Serie von großformatigen Zeichnungen berühmter Schriftsteller zeigen – unter ihnen meine Favoriten Oscar Wild, Gabriel Garcia Marquez, Umberto Eco, Thomas Mann, Stefan Zweig, Edgar Allen Poe usw. Wir kennen uns schon länger, haben auch mehrfach zusammen ausgestellt, was übrigens das beste Mittel ist, sich kennenzulernen. Ich weiß also im Voraus, dass ich einen Künstler vorfinden werde, der ein großes Talent mit einer sorgfältigen Formation vereint. Dennoch bin ich nicht vorbereitet auf den Impact, den diese Gruppe seiner Werke in mir auslöst. Ich stehe wie verzaubert vor den Darstellungen einiger der einflussreichsten Menschen unserer Geschichte. Es gelingt Juan, diesem begnadeten Zeichner, klar zu machen, dass es hier keine Trennung gibt: Die Sprache wird Bild und das Bild wird Sprache.
Edgar Allan Poe, 70 x 50 cm, Flüssiges Grafit, Kohle, Pastellkreide auf Bütten |
Charles Baudelaire, 70 x 50 cm, Grafit, Kohle, Acryl, Pastellkreide auf Bütten |
Diese Persönlichkeiten leben und können es vermitteln. Mir scheint, als müsse man nicht einmal Leben und Werk aller Schriftsteller studiert haben, um ihre Seelen zu kennen. Auf meine schüchterne Frage: „Wer sind sie für dich?“ antwortet Juan mit diesem freundlichen Lächeln, das ihn charakterisiert: „MEINE WEGGEFÄHRTEN“.
Ich möchte Sie einladen ihn ein Stück des Weges zu begleiten, denn die Philosophen haben Recht: Was das Leben lebenswert macht ist die Begegnung mit Menschen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Lieselotte Rojas Sanoja
Dresden, Mai 2020